Les tueurs fous

Von  //  4. Juni 2013  //  Tagged: ,  //  1 Kommentar

tueursfous

Dominique und Roland sind ein schwules Paar in Brüssel. Während der eine sich von einem älteren Journalisten aushalten lässt, checkt der andere geparkte Autos danach ab, ob nicht eins davon unverschlossen geblieben ist und für eine Spritztour gebraucht werden kann. Bald entdecken die beiden einen neuen Kick: Wahllos Passanten zu ermorden und ihnen das Geld zu klauen. Als besonderen Clou schießen sie Fotos von ihren Taten und schicken sie ihrem Journalistenfreund, den das in arge Bedrängnis bringt…

Jupiler-Bier? Wir müssen in Belgien sein.

Jupiler-Bier? Wir müssen in Belgien sein.

Ein Film, der an Trübnis kaum zu übertreffen ist: Ein ständig grauer Himmel schwebt über verwahrlosten Gegenden und Protagonisten, denen man keinerlei Empathie entgegenbringen kann. Mögen die beiden auch wie weiland Bonnie & Clyde gegen verkrustete Gesellschaftssysteme rebellieren, gehen sie diesen Weg ohne den Hauch von irgendeiner Menschlichkeit: Ihre Opfer sind meist noch ärmere Schlucker als sie selbst, alte Arbeiter oder schwangere Frauen, die für ein paar lausige Francs einfach erschossen werden.

Trophäenfoto #2

Trophäenfoto #2

Während sich das Kino der 68er-Studenten und ihrer direkten Nachfolger in Deutschland größtenteils mit Sperrigkeit und einer politischen Botschaft im Vordergrund bewußt vom aktuellen Kino abgrenzte, ging es in Ländern wie Japan, Frankreich oder Belgien Fusionen mit dem zeitgenössischen Exploitation-Kino ein und es entstanden Filme wie dieser hier, die den geneigten Zuschauer nach anfänglicher Irritation einfach nur noch platt machen.

Im trüben Wetter auf das nächste Opfer warten.

Im trüben Wetter auf das nächste Opfer warten.

Im Allgemeinen immer nur peripher wahrgenommen, hat das belgische Kino über die Dekaden immer wieder aufsehenerregende „Ausreißer“ wie LA FÉE SANGUINAIRE, THE AFTERMAN, MANN BEISST HUND oder zuletzt EX DRUMMER geboten, die einen eiskalt erwischten, wenn man dachte, man hätte schon alles gesehen. Auch scheint es möglicherweise einen unbewußten ästhetischen Konsens zu geben, denn der Himmel in den zurecht in Cannes und anderswo gefeierten Filmen der Dardenne-Brüder ist genauso grau wie hier.

Typische Strassenszene

Typische Strassenszene

Da ich in der Nähe zur belgischen Grenze wohne, war ich schon öfters dort und fühlte mich eigenartig wohl. Es sieht dort an vielen Stellen immer noch so aus wie in den 70er Jahren, wenn man mal aus Versehen in eine falsches Straße abbiegt, scheinen viele Locations der Filme aus dieser Zeit noch erhalten zu sein. Sicherlich wurde auch hier einiges abgerissen, verschönert und modernisiert, aber man dürfte noch wesentlich mehr markante Spots aus dieser Zeit wiederfinden als etwa im Ruhrgebiet oder in London.

Tankwart tot. Katze auch.

Tankwart tot. Katze auch.

Drehbuchautor Michel Gast adaptierte 1959 auch Boris Vians Skandalroman „Ich werde auf eure Gräber spucken“ – die over-the-top-Brutalität des Protagonisten findet man auch hier wieder, nur sind die Mörder hier sämtlicher nachvollziehbarer Motivation beraubt. Es ist nur noch eine leere, kalte Scheißwelt übrig.

Alles ist grau, auch die Verfolgungsjagd.

Alles ist grau, auch die Verfolgungsjagd.

Dank an Christoph von den Eskalierenden Träumen für den Hinweis auf diesen Film, dessen vortrefflicher Score die grauen Bilder des Grauens noch potenziert.

Belgien 1972, Regie: Boris Szulzinger


Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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