Nazis at the Center of the Earth

Von  //  24. Mai 2012  //  Tagged: , , ,  //  1 Kommentar

So etwas haben Sie noch nicht gesehen.
So etwas haben Sie noch nicht gesehen.

„Bombardieren Sie alle nicht-arischen Länder!“

Ein feiner Alptraum-Pulpstoff: Unter dem Südpol bastelt Dr. Mengele a) am lebenden Objekt, und b) an der Wiederkunft des Führers. Aber ausgerechnet von Asylum? Ja, von Asylum kommt NAZIS AT THE CENTER OF EARTH, und diesmal haben sie es begriffen: So sollte ein B-Picture aussehen. CGI-Supervisor Joseph Lawson packt in seinem Regiedebüt die wüste Geschichte so enthusiastisch an, als wäre sie SCHINDLERS LISTE (Lawson nennt u.a. Steven Spielberg und James Cameron als Vorbilder). Er schrieb mir: „I knew the limits, the budget and the timeline of production going in so just decided well, that’s what we have. I’m going to make the BEST low budget Nazi zombie Robot Hitler UFO action horror thriller B-movie I can.“ Ich kann mich nicht erinnern, einen ähnlichen Satz etwa von Roger Corman gelesen zu haben. Ich kann mich auch nicht erinnern, an einem anderen aktuellen B-Film ähnlich viel Freude gehabt zu haben.

Gewiss: Die Effekte entsprechen dem Budget (200.000,- $ für eine Drehzeit von 12 Tagen), das spiegelverkehrte Hakenkreuz ist zu groß, um es zu ignorieren, und die holprigen deutschsprachigen Passagen mögen ebenso befremden wie der bedächtige Beginn des Films, während andere gerade dem wunderbar waghalsigen Balanceakt nicht folgen dürften, auf dem der Film zielstrebig immer tiefer ins Pulp-Genre vordringt und dabei doch einen wohltuend ernsthaften Grundton beibehält (der einzige billige Lacher geht auf das Konto des Art Departments und ist Lawson selbst peinlich). Selbst als das Script gegen Ende komplett durchknallt, widersteht der Film standhaft der Versuchung wohlfeiler Ironie und serviert uns lieber Actionsequenzen, die – anstatt mit hyperventilierenden Schnitt- und Handkameraorgien erschlagen zu wollen – von ferne den Geist der 1940er atmen und noch einmal belegen, dass der Film sein Herz auf dem rechten Fleck hat.

Aber auch wenn mal etwas nicht funktioniert, ist es immer noch lohnender zu sehen als gehirnerweichende Subplots, in denen entfremdete Kleinfamilien wieder zusammenfinden, oder wo Leute sorgenvoll in Kontrollräumen herumstehen oder Anweisungen in Handies brüllen, weil das nichts kostet und man ja irgendwie auf Spielfilmlänge kommen muss. Lawson gibt sich sogar Mühe, die nicht sonderlich originellen Protagonisten immerhin so sympathisch zu präsentieren, dass uns ihre Leiden nahe gehen. Mehr noch: Viele Figuren des Films „are more metaphors for the various populations in Nazi Germany than people realize. There are immediate victims, longer term victims, people motivated by selfishness or self preservation, people who ride with the current until it’s too late to go back.“ Während anderen wiederum das Gesicht in Nahaufnahme abgezogen wird (was man auch allegorisch lesen kann, wenn man dazu aufgelegt ist).

NATCOTE ist natürlich keine seriöse Analyse des Phänomens Nationalsozialismus (ebensowenig wie, sagen wir, „Dracula“ eine seriöse Analyse viktorianischer gender politics darstellt) und will es auch nicht sein, aber er begreift, womit er hantiert, und nimmt sich deshalb zwischendurch auch noch als Horrorfilm ernst, der einige Gore-Sequenzen in klassischer Manier serviert –  „We took the lighting philosophy of an 80s horror/science fiction production (Director of Photography Dean Cundey in particular) and used that palette and atmosphere throughout“ – , die man an dieser Stelle ebensowenig erwartet hätte wie eine wahrhaft finstere Szene, in der diesem kleinen Trash-Reißer kälteres Grauen gelingt als vielen „ernsthaften“ Filmen. Und ja, es gibt Zombies. „Doch, das geht.“ (Gerhard Polt)

Imgrunde ist alles ganz einfach: „The one thing a film SHOULD do is deliver memorable, even iconic, moments and provoke an emotional response. I think there are several in NATCOTE for those with eyes to see or willingness to care.“ Seh‘ ich auch so. Und da ich weder von Lawson noch von Asylum bezahlt werde, kann ich guten Gewissens summieren: Schöner Schund. Kaufen. Ansehen.

(Nur besser nicht den angekündigten hiesigen Bluray-Release, über dessen Synchro ich noch nichts aussagen kann, dessen „deutscher“ Titel NAZI SKY aber schon Übles befürchten lässt. Lawson: „We were NOT doing a mockbuster of Iron Sky (despite everyone thinking so). (…) this was a pet project of producer/writer Paul Bales for a while. Either way, other than the obvious returning Nazis connection, folks will see the differences between the two films once both are widely available. Besides, theirs is a comedy, ours is a documentary. ;-)“)

Nazi Sky, USA 2012, Joseph J. Lawson


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Über den Autor

Andreas Poletz (1185 bis 1231), aus Chorazin gebürtig, beschrieb seine Seele als »einen schrecklichen Sturm, umhüllt von ewiger Nacht«, und behauptete, dass er aus Verzweiflung begann, seine Hände und Arme zu zerfleischen und mit den Zähnen bis auf die Knochen zu zernagen (incipit manus et bracchia dilacerare et cum dentibus corrodere useque ad ossa). Ist aber nicht wahr.

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Ein Kommentar zu "Nazis at the Center of the Earth"

  1. Lox 17. Juni 2012 um 15:23 · Antworten

    Ich schließe mich der Meinung des Rezensenten zu 100% an. NATCOTE ist mMn tatsächlich der erste Film von Asylum, der mir durch und durch gefallen hat. Genau SO muß ein echter B-Film sein.

    Und der Hitlerbot war der Kracher schlechthin!

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