Short Bus #001

Von  //  23. November 2011  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

shortbus#001

Thick as Thieves // Scott Sanders, 1998

Dank des kleinen Grenzverkehrs zwischen den Niederlanden und Deutschland, landet der Ausschuss holländischer Videotheken schon mal zwischen gebrauchten Handies und dubios aussehenden DVBT Receivern in den Regalen der Aachener Wiederverkäufer. So kam ich kürzlich zum Schnäppchenpreis an Thick as Thieves. „Criminally Clumsy“ verheißt das Cover, und selten wurde ein Film so treffend in zwei Worten beschrieben. Alec Baldwin als Mackin „The Thief“ gerät in dem flotten Heist-Movie zwischen die Fronten rivalisierender Organisationen im Kampf um urbane Territorien. Die einen, Afro-Amerikaner und selten dämlich, die anderen, italienische Mafiosi vom alten Schlag und ebenso reich wie stilresistent. Wenn der Film bei einer zweiten Sichtung den gleichen, guten Eindruck hinterlässt, werde ich ihn sicher noch mal länger besprechen. Und wenn jetzt der ein oder die andere beim Lesen stutzig geworden ist: Es gibt noch einen weiteren Film mit gleichem Titel (Mimi Leder, 2009, mit Morgan Freeman). Der ist nicht gemeint.
(Eckhard Heck)

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Let’s kill Bobby Z // John Herzfeld, 2007

Sieht im Vergleich zu Thick as Thieves vollkommen humor- und lieblos aus. Hat zweiundzwanzig Millionen Dollar gekostet, fühlt sich an, als blätterte man einen IKEA Katalog durch und hat mit Paul Walker einen sprechenden Kleiderständer als Hauptdarsteller. Überzeugt in einigen Szenen durch die Darstellung eruptiver Gewaltakte, zieht sich damit aber zu billig aus der Affäre und hat folgenden Inhalt: Der Häftling Kearny (Paul Walker) soll als Cameo des angeblich verstorbenen Drogendealers Bobby Z (Jason Lewis) als Austauschgeisel für einen Cop fungieren, der von der mexikanischen Drogenmafia festgehalten wird. Dafür wird Kearny die Haftstraße erlassen. Ein schlechter Deal, wie sich herausstellt, denn sein „Bewährungshelfer“ Gruszsa (Laurence Fishburne) soll ihn im Auftrag des quicklebendigen Bobby Z möglichst schnell unter die Erde bringen. Olivia Wilde (born Olivia Jane Cockburn, inzwischen bekannt durch Tron:Legacy) und Keith Carradine spielen auch mit. Shiny Shit. (Eckhard Heck)

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Jericho Mansions // Alberto Sciamma, 2003

Eigentlich hatte der beste Ehemann von allen Jericho Mansions bloß bestellt, um über die Portofreigrenze eines bekannten Online-Versandhauses zu kommen. Die 80 Cent sind allerdings gut investiert. James Caan macht sich gut in der Rolle des agoraphobischen Hausmeisters Leonard Grey, der zu allem Überfluss auch noch an Amnesie leidet. Die Apartmentanlage Jericho Mansions beherbergt neben Leohard eine bunte Mischung seltsamer Vögel (und das ist nicht nur metaphorisch zu verstehen). Nach und nach geben einige der Bewohner aber den Geist auf, und nicht immer führt bei den Abgängen Mutter Natur Regie. Wie das Ganze mit Leonards schrägen Hallus zusammen hängt und warum Vermieterin Lily (Geneviève Bujold) ihrem Facility Manager in Ermangelung eines Entmietungsservices die Polizei an den Hals hetzt, verrate ich aber nicht. Was ich sehr wohl verraten kann ist, dass die Synchro in die Sondermüllverwertung gehört (mit Recycling ist da nicht mehr viel zu retten). Wer sich den Film aber mit Originalton zu Gemüte führt, kann sich auf überraschend angenehmen Quietschfarben, eine ordentliche Kameraführung und einen netten Plot freuen. Obendrauf bekommt man auch bei der DVD eine hervorragende Bildqualität (Blu-ray scheint mir hier fast überflüssig). Eine gelungene Melange aus Clue (mit dem dämlichen deutschen Titel Alle Mörder sind schon da), Delicatessen und Die fabelhafte Welt der Amélie(Frau Suk)

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Der Leichenverbrenner // Juraj Herz, 1968

Der LeichenverbrennerDie Tschechoslowakei zur Zeit der Machtübernahme durch die Nazis in Deutschland. Kopfrkingl, hochgestellter Mitarbeiter eines Krematoriums, wird erst zum Mitläufer wider Willen und dann zum willfährigen Mittäter und Karrieristen.

Der Leicheverbrenner ist ein gewaltiger Film und eine schonungslose Parabel auf den Opportunismus, entstanden im Jahr 1968, als während des Prager Frühlings politisch und künstlerisch für einen kurzen Moment in der Geschichte der Tschechoslowakei alles möglich war. Juraj Herz hat die Gelegenheit erkannt und genutzt. Er hat ein expressionistisch/surrealistisches Meisterwerk geschaffen, das bereits kurze Zeit später unter dem Regime der linientreuen Komunistická strana Československa verboten werden sollte. Der Leichenverbrenner hat nun – dank des Labels Bildstörung – endlich sein schon längst überfälliges deutsches Release bekommen. Eine längere Rezension wird folgen. Einstweilen empfehle ich die Besprechungen auf Whoknows Presents oder gleich den Klick auf den Amazon Link. (Eckhard Heck)

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The Element of Crime // Lars von Trier, 1984

The Element of CrimeWie vieles aus den 1980er Jahren wirkt The Element of Crime aus heutiger Sicht putzig in seinem krankhaften Subjektivismus und in seinem Ringen um eine irgendwie geartete neue Ästhetik. Weil Film und Filmemacher sich notorisch zu wichtig nehmen, wird die Sichtung streckenweise zum reinen Gewaltmarsch. Abgesehen von einigen unflätigen, analfixierten Einwürfen, die von der robusten und Sexploitation gestählten Me Me Lai (Mondo Cannibale) souverän neutralisiert werden, sind Geschichte und Bilder von Artifiziellem durchwuchert, das auch so manchen anderen Kunstfilm kennzeichnet.

Die zugrunde liegende, recht einfache und in Rückblenden erzählte Kriminalgeschichte wird von Lars von Trier mit psychologischen Elementen und viel Symbolismus angereichert. So stolpern Protagonisten und Zuschauer durch ein Labyrinth aus Erinnerungen, das ins dystopisch science-fictionhafte changiert und durch extreme Perspektiven auch schon mal kopfüber gekippt wird. Wenn im Zusammenhang mit The Element of Crime das Wort „ambitioniert“ fällt, dann denke ich persönlich immer: Überambitioniert. (Eckhard Heck)

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