D’Ardennen

Von  //  3. Mai 2016  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

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Der drogenabhängige Kenny dreht zusammen mit seiner Freundin und seinem Bruder ein Ding, aber die Sache läuft schief, er wird gefasst und wandert in den Bau. Als er nach vier Jahren entlassen wird, ist die Situation recht angespannt, denn seine Freundin ist mittlerweile nicht nur clean, sondern auch mit seinem Bruder zusammen und schwanger. Der Knast hat den cholerischen Kenny nicht unbedingt sozial verträglicher gemacht, und so wird der Moment, ihm die Wahrheit zu sagen, immer weiter herausgezögert…

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Robin Pronts bemerkenswerter Debütfilm beginnt als Unterschichts-Familiendrama, das die häßlichsten und trostlosesten Ecken Antwerpens in den 90er Jahren zeigt – die Handlungszeit wird nie explizit postuliert, lässt sich aber aus Frisuren, Klamotten und Musik ableiten. Was nur ein Beispiel dafür ist, wie der Film seine Zuschauer ernst nimmt und nicht für blöd hält; so genügt hier auch eine einzige Szene, in der die beiden Brüder am Essenstisch der Mutter sitzen, um die Familienverhältnisse zu verdeutlichen und die Charaktere zu etablieren, wo andere Sozialdramen gerne den Holzhammer auspacken, damit auch der letzte Doof kapiert, was hier abläuft. Und mit zunehmender Laufzeit wandelt sich die gekonnte Millieuschilderung dann auch noch in einen bizarren Thriller. Die Ardennen im Titel erfüllen eine doppelte Funktion: Anfangs eine Metapher für die guten unbeschwerten Kindheitstage der Brüder, quasi das verlorene Paradies, findet das grimmige Finale ebenso dort statt. Neben der gekonnt evozierten trostlosen Atmosphäre funktioniert der Film aber vor allem durch das hervorragende Ensemble, in dem neben Jeroen Perceval, Veerle Baetens, Kevin Janssens und Jan Bijvoet vor allem mal wieder der aus dem belgischen Gegenwartskino nicht mehr wegzudenkende Sam Louwyck mit einer besonders markanten Performance heraussticht. In Benelux bereits als DVD erhältlich, ist von einer Auswertung auf deutschen Kinoleinwänden leider noch nichts bekannt.

The Ardennes, Belgien 2015, Regie: Robin Pront


Update: Kommt hierzulande am 20. August direkt auf DVD.
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Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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