A Girl Walks Home Alone at Night

Von  //  15. September 2015  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

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Die Filmemacherin Ana Lily Amirpour ist eine Iranerin, die in Großbritannien geboren und in Miami und Kalifornien aufgewachsen ist. Ihr erster Spielfilm A Girl Walks Home at Night ist ein modernes Midnight Movie. Die Handlung des iranischen Vampirfilms spielt in einer Stadt namens „Bad City“, die in keinem konkreten Land, sondern in der Mythenwelt der Kinogeschichte verortet ist. Gedreht wurde in einer kalifornischen Geisterstadt, welche die Filmemacherin an den Ort erinnert, in dem sie aufgewachsen ist.

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Die erste Szene des Films ist eine der wenigen, die Bad City bei Tag zeigt. Ein Mann, der wie ein iranischer James Dean aussieht (der gebürtige Hamburger Arash Marandi) läuft bei gleißender Sonne durch einen verlassen wirkenden Ort. Jener erinnert mit seinen hohen Speichertürmen an ein Amerika, wie man es von alten Schwarzweißfotos her kennt. Nur ein Graben voller Leichenberge evoziert eher die schockierenden Bilder von befreiten KZs. Doch sobald der Mann, der auch im Film Arash heißt, in seinen Ford Thunderbird steigt und ein wunderschönes Musikstück ertönt, ist diese erste Irritation des Zuschauers zunächst beendet.

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Dieser Ford Thunderbird ist Arashs bestes Stück, für das er lange gespart hat. Deshalb bricht für ihn eine Welt zusammen, als der Drogendealer Saeed (Dominic Rains) den Wagen aufgrund unbezahlter Schulden von Arashs Junkie-Vater (Marshall Manesh) konfisziert. Arash lässt sich in Folge ziellos treiben. Auf einer Kostümparty erscheint er als Vampir verkleidet und nimmt Ecstasy. Als er anschließend reichlich desorientiert nach Hause torkelt, trifft er auf der Straße auf eine Skateboardfahrerin, die unter ihren Tschador ein gestreiftes T-Shirt trägt. Als dieses so geheimnisvoll, wie verletzlich wirkende Mädchen (Sheila Wand) ihn mit zu sich nach Hause nimmt, ahnt Arash noch nicht, dass sie eine echte Vampirin ist…

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Als das Mädchen in ihrer kleinen Kellerwohnung eine Vinylplatte auflegt, auf der „Death“ von den White Lies erklingt, leitet dies eine der schönsten Sequenzen des Films ein – einen ausgedehnten Moment reinster Kinomagie, in dem die Zeit stillzustehen scheint und in dem Bild und Ton zu einer euphorisierenden Einheit verschmelzen. Diese Szene kulminiert in einer Einstellung, in der eine ungemein zärtliche Sinnlichkeit mit einer akuten Todesgefahr zusammenfällt. Amirpour kreiert eine romantisch-surreale Welt, in der sich verschiedene sichtbare Einflüsse zu einem sehr eigenen und recht jenseitigen Film-Kosmos verbinden.

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Ein stimmungsmäßiges Gegenstück zu dieser Szene höchster Romantik, stellt ein Besuch in der Wohnung von Saeed dar: Zuerst begrüßt der Dealer seine Goldfische, indem er lässig gegen das Aquarium klopft, als nächstes gibt die Kamera einen Blick auf sein Wohnzimmer mit Designerkitsch, Hirschkopf an der Wand und Zebrafell frei. So geht es in einer Weise weiter, wie man sie am ehesten aus Filmen von Quentin Tarantino kennt. Doch durch die perfekt komponierten Bilder in kontrastreichstem Schwarzweiß und den hyperrealen Sound, der jedes Ziehen an einer Zigarette zu einem lauten Knistern anschwellen lässt, ist die Atmosphäre bei Amirpour trotz allen Pulp-Appeals äußerst entrückt und wesentlich bizarrer als bei Tarantino.

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A Girl Walks Home at Night verschmilzt die unheimlichen Kinowelten von Lynch und Murnau mit dem mythischen Amerika der James Dean Filme und von Douglas Sirk (In den Wind geschrieben, 1956). Das Ergebnis ist jedoch kein postmodernes Potpourri, kein Ratespiel, bei dem der Filmnerd sich freut, wenn er wieder eine Szene dem richtigen Ursprungsfilm zuordnen kann. Amirpour nimmt diese vielschichtigen Einflüsse nur als Ausgangspunkt, um ein sehr selbstständiges filmisches Universum zu erschaffen. So sprechen die Protagonisten im Film beispielsweise auch nicht Englisch, sondern die im Iran dominierende Sprache Farsi. Ein großer Teil der (elektronischen) Musik im Film kommt ebenfalls  aus dem Iran.

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In ihrem Debütfilm A Girl Walks Home at Night geht es Amirpour ganz offensichtlich nicht vorrangig darum eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen erschafft der tranceartige Film eine hoch atmosphärische, aus der Zeit gefallene Welt voller Melancholie und voller düsterer Romantik. In seinem beklommen pochendem Herzen ist A Girl Walks Home at Night insbesondere ein wunderschöner Liebesfilm. Die Idee zum Film geht auf eine Graphic Novel und auf einen Kurzfilm der Künstlerin zurück. Der Comic ist jetzt als Booklet neben vielen weiteren Extras ein Teil des bei Capelight erschienenen wunderbaren Mediabooks zum Film.

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Ich lebe und schreibe in Frankfurt am Main.

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