Herz aus Stahl

Von  //  26. Januar 2015  //  Tagged:  //  1 Kommentar

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Eigentlich soll der Zuschauer Tapferkeit und Ehre, manchmal auch Abscheu und Ekel erleben. Ein Genre aber, das sich so stark über ausgediente Feindbilder definiert und nur noch in der Latrine seiner eigenen Zeichenwelt zirkuliert, funktioniert lediglich als Parodie seiner selbst. Alles Erhabene, die irritierende Erfahrung von Unbehagen bei gleichzeitiger Bereitschaft, wurde ihm ausgetrieben. Die Farbskala eines Teegetränks, der getragene Rhythmus, die Langeweile- all das gibt den Tonfall vor für eine neue Welle von ernsten Heimatfilmen: die gute, alte, einfachere Zeit.

Der Kriegsfilm ist die verkrüppelte Zierkirsche im Portfolio eines Regisseurs. Der Einstieg von „Herz aus Stahl“ ist so unverschämt inszeniert, dass man den Eindruck gewinnt, bei einer Opernaufführung wird der sich verdauende Bohneneintopf vom Vortag in langen Darmwindböen durch den Saal und unter das Publikum getragen. Scheinbar reitet Fontanes Schimmelreiter persönlich über die Bühne um sofort von Wardaddy Collier(Brat Pitt) aus dem Sattel gehoben zu werden. Danach steigt er wieder in seinen Sherman-Panzer „Fury“. Auf ihn warten Rattenarsch (Jon Bernthal), Bibel (Shia LaBeouf) und Gordo (Michael Peña). Gordo flucht auf spanisch und Wardaddy ruft ihn zur Ordnung: „Ist das mexikanisch? Wir sind hier in einem amerikanischen Panzer.“ Niemand macht ihn den besten Job, den er je hatte, madig.

© 2014 Sony Pictures

Wir haben den Helden und die Sidekicks. Da fehlt der Grünschnabel. Norman Ellison (Logan Lerman) ist moralisch integer und als Schreibkraft in den Krieg gezogen. Bei der ersten Patrouillenfahrt längt ihn ein junges Mädchen so ab, dass ein Panzer zerstört wird. Erst durch den Missbrauch von Wardaddy Collier ist er in der Lage zu töten. Aus der jungen Schreibkraft ist „Maschine“ geworden. Die moralische Korrumpierbarkeit seines Charakters findet in nicht einer Einstellung seine Thematisierung. Ist eben Krieg, was ? Wardaddy korrumpiert und missbraucht und das ist völlig in Ordnung, denn der Panzer ist nicht sein Arbeitsort, es ist sein Zuhause. Wahrscheinlich ist es das erste richtige Zuhause und die erste richtige Arbeit, die er jemals hatte. Wenn es um Eigentumsrecht geht, kennt er als Vollblutamerikaner keinen Spaß. Er hasst die „Krauts“ ungefähr so sehr wie ein Cowboy die Indianer hasst. Auch wenn der Kompass Osten anzeigt, der Treck geht innerlich Richtung Westen. So hält er seine Mannschaft lang genug am Leben, bis ihn sein zu Hause durch das „drohende“ Kriegsende abhanden kommen könnte. Der Krieg schafft ihm ein Heim und Maschine Ellison zum Schluss einen Orden.

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Die Kernstrukturen sind gebildet, der Objektverlust lässt die Persönlichkeit nicht völlig verarmt zurück. Das Handlungsskelett von „Herz aus Stahl“ erkennt im „Kraut“ nur den mit Gewehr- und Panzermunition zu bepumpenden Niemand. Kein Hass , aber ein verachtender Respekt. Es wie in einem alten Western, wo die Siedlertrecks regelmäßig von Comanchen und Apachen überfallen werden. Dieses Mal, postmodern verkünstelt, tragen die Rothäute Feldgrau und rennen mit Landser- wie Cherubsfressen ihrer Bestimmung entgegen. Es geht nicht um den zweiten Weltkrieg im Besonderen. Nicht ein wirklicher Antagonist wird über die Spielzeit von 134 Minuten aufgebaut. Schön, zwei Squaws, also deutsche Fräuleins, dürfen zu Kaffee und Kuchen bitten. Allerdings gelingt hier die Verdeutlichung eines Einsatzes in einer fremden Umgebung. Am Feind kann einem erst einmal nur seine Neutralisierung wichtig sein. Für Befindlichkeiten und Meinungsaustausch ist es der falsche Ort.

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Dieser Film sekundiert einer Gesellschaft, die keinen Begriff von sich selbst hat. Gerade deswegen sehnen wir uns nach einfacheren Zeiten zurück. Nach Zeiten, wo man das Böse schon an seiner Uniform erkennen konnte. In „Herz aus Stahl“ verhält sich das Böse nicht prinzipiell anders als das Gute, aber wenigstens ist es anders gekleidet. Allein diese Möglichkeit genügt,  die Besatzung der „Fury“ auf Missionen, auch wenn diese noch so sinnlos sind, zu schicken.Krieg ist in diesem Fall eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die gezeigte Verkehrung der Ohnmacht gegenüber dem eigenen Gesellschaftszusammenhang ist auch das Einzige, was den Zuschauer bei Laune hält. Allzu dumpf und schmutzig tuckern die Mannen mit Kriegspapi durch die Gegend um irgendwelche Dörfer einzunehmen und Stellungen gegen einen Feind zu sichern, die ein Spitfire-Geschwader höchstens in einem Anfall von Karzinomhumor zusammenschießen würde.

Regie: David Ayer, USA 2014. 135 Minuten

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