SKLAVEN Markt

Von  //  14. Mai 2014  //  Tagged: , ,  //  Keine Kommentare

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Im Berg am Werk Zum Auftakt des Rummelsburg 2-Literaturfestivals wird im neuen „Baiz“ Bill Myers‘ Film „SKLAVEN Markt“ gezeigt.

„Wenn es um die Familie geht, kennst du keine Verwandten.“ Der Satz fällt auf einer Kreuzung, vor mir rückt ein Paar wütend zusammen. Da ist schon das neue „Baiz“, die Kultur- und Schankwirtschaft stieg vom Fuß zum Scheitel des Prenzlauer Bergs auf. Der Scheitel heißt Schönhauser Allee, heute Abend geht das Rummelsburg 2-Literaturfestival los. Es gibt „den Dichtern des Kollwitzplatzes“ Gelegenheiten. Einer aufgegebenen Institution dieser Gegend so wie des Festival-Genres, dem „SKLAVEN Markt“, widmete der Amerikaner Bill Myers 1999 (im Jahr der Geschäftsaufgabe) eine Dokumentation.

„Viel zu lang sei der (zu seinem Vorteil schließlich gekürzte) Film geraten“, sagt Bert Papenfuß in seinem einführenden Referat. Papenfuß erscheint wie der letzte Überlebende einer Reise ans Ende der Nacht. Der Referent stochert ein bisschen in Myers‘ „langatmigem Dilettantismus“, was war der eigentlich? Myer war Germanist, mit seiner Kamera habe er „einfach draufgehalten“ – fasziniert von den Biotopisten im ostdeutschen Untergrund.

Im Berg am Werk. 1996 gründete Papenfuß den SK gemeinsam mit Frank Willmann auf der Fläche des Prater-Gartens an der Kastanienallee. Ein Streit um Biermarken (falls ich das richtig verstanden habe) zwang zum Umzug. Der Kneipenname wiederholte und ergänzte den Namen einer Zeitschrift. Das Periodikum ehrte im Titel eine Editionsidee von Franz Jung. Es bezog sich auf Jungs „Zur Wiedereinführung der Sklaverei“. Mancher kam in die Kneipe (egal, wo sie gerade war) mit der Erwartung, einen Schauplatz seiner sexuellen Vorlieben zu entdecken. Er könnte mit Geschichten „aus dem Unterleib Berlins“ auf eine Spur der Verwandlungen gesetzt worden sein.

Veteranen der ersten SK-Stunden äußern sich im Film, so wie der Philosoph Guillaume Paoli. Der Franzose fand in der Kneipe eine „Heimat“. Seiner Biografie entnimmt er, was passt. Er sei in einer kommunistischen Stadt aufgewachsen und deshalb auf die DDR vorbereitet gewesen. Neben ihm sitzt eine Kollegin, gerade hat sie Arthur entbunden. Lange war sie für die SK-Filmreihe zuständig. Man habe einen „osteuropäischen Schwerpunkt“ kultiviert und Schwierigkeiten bei der Finanzierung gehabt.

Der SK machte weiter im „Theater unterm Dach“ und übernahm dann das „Siemeck“ in der Rykestraße. „Das war eine markante Kneipe am Wasserturm.“ Ein Solitär, inzwischen gibt es zwanzig Lokale an dieser Ecke. Die Strecke der SK-Nomaden endete im „Walden“ in der Choriner Straße. Man sieht Wladimir Kaminer, er lernt deutsch auf der Bühne. Kaminer rasiert die Fremdsprache mit dem Hobel seines Akzents, man versteht nur ab und zu ein Wort. Noch steht sein Ruhm in den Sternen.

D 1999, Regie: Bill Myers

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