The Lords of Salem

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Ganz im Gegensatz zu ONLY GOD FORGIVES (Nicolas Winding Refn, 2013), der ein Film ist wie ein Rausch, der seinen narrativen Bogen nur im großen Ganzen beibehält um im Detail die Strukturen und die Kontinuitäten aufzulösen, dessen narrative Impulse aus den Bildern selbst stammen um den Film vorwärts zu schieben, so erzählt Rob Zombie seinen exzessiven Alptraum konsequent entlang des Zeitstrahls. Aber auch hier entfernt sich der Realismus immer weiter in eine subjektive Erfahrungswelt hinein, löst sich auf in Träumen, die in kollektiven Wahnvorstellungen aufgehen, von denen man als Zuschauer irgendwann nicht mehr sagen kann, ob sie sich nicht bereits als neue Realitätsebene etabliert haben.

Drei Aspekte dominieren THE LORDS OF SALEM: einmal die Präsenz der Hauptdarstellerin Sheri Moon Zombie mit ihren Tattoos und den Dreadlocks, die als Radiomoderatorin und ehemalige Drogenabhängige ihr Dasein in Szene-Nischen verbringt; dann der hammerhart fiese Soundtrack, der im immer wieder abgespielten Song der Band THE LORDS den Zuschauer in akustisch hypnotischen Wellen umbrandet und eine permanente, nachhaltig zermürbende Verunsicherung auslöst; und schließlich die alles dominierende Farbe: rot (wie in ONLY GOD FORGIVES). Da sind sich die beiden Filme sehr ähnlich, in ihrem Willen zur Stilisierung. Wobei der Refn sicher der radikalere Film ist – gleichwohl ist es THE LORDS OF SALEM, der das klassische westliche Horrorkino der 80er (vor allem Carpenter, was kein Wunder ist nach den HALLOWEEN-Remakes) in die Gegenwart transportiert und dann in konsequenten Schritten direkt in die Hölle hineinstapft.

Dass es hier keinen Ausweg geben kann, ist schnell klar. Dafür fehlt allein schon die Figur. Das Personal ist reduziert, die Schauplätze beschränken sich auf wenige Räume, den Bewegungen des Films ist einfach zu folgen. Die Räume allerdings öffnen sich im Kopf, man betritt das Flammenmeer, und von da ab ist der Schritt ins Mittelalter oder ins Jenseits nur noch eine Frage der Hingabe. Einen Heroinrausch hätte es da für die Ex-Junkiebraut gar nicht gebraucht, das wäre auch so alles völlig plausibel gewesen. Und so wird auch deutlich, wie souverän Rob Zombie mittlerweile geworden ist: ein Regisseur, der völlig ohne jump scares auskommt, und der weiß, wie auch Ti West, dass neue Superlative in den Gewaltdarstellungen keinen Genre-Nerd mehr hinter dem Ofen vorlocken. Die Herausforderungen des Horrorkinos liegen woanders. Und folglich ist bei Zombie alles im Bild angelegt, findet sich in der Komposition, im Strudel der Wahrnehmung. THE LORDS OF SALEM ist schlicht: eine grandiose Höllenfahrt.

USA, UK, Kanada 2012; Regie: Rob Zombie.

The Lords of Salem – A Rob Zombie Film

Über den Autor

Michael Schleeh schaut vor allem asiatische Filme. Seit ein paar Jahren betreibt er das Blog SCHNEELAND und schreibt Reviews für verschiedene Webseiten. Indisches Regionalkino ist sein aktuellstes Ding. ~~ Michaels Filmtagebuch: http://letterboxd.com/schneeland/ ~ Michaels Twitter: @mono_micha

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