Tropa Smerti

Von  //  21. April 2013  //  Tagged: , ,  //  Keine Kommentare

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Nicht nur hierzulande gehen junge Leute mit der Videokamera in den Wald, um Horrorfilme zu drehen: Auch in der Republik Sacha (Jakutien) – im Nordosten der ehemaligen Sowjetunion gelegen, 1 Million Einwohner auf 3 Millionen Quadratkilometer – kommt so etwas vor. Die meisten mir bekannten jakutischen Horrorfilme basieren auf lokalen Sagen und werden formal so schlicht erzählt wie ein Märchen. Ein wenig aus der Reihe tanzt TROPA SMERTI („Pfad des Todes“).

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Ein Traum: Ein kleiner Junge tappt verloren durch einen Wald. Dies ist unserer Held Dimitri, dessen Eltern auf mysteriöse Weise gestorben sind, als er ein Kind war, und der nun als richtungsloser Mittzwanziger von seinen Freunden abgeholt wird –  „der Lange“, „Milhouse“,  „Zhurnalyug“ (abwertende Bezeichnung für Journalist) und „der Schweiger“. Das verschafft uns einerseits Einblicke in die jakutische Wohnbausituation, andererseits Dialoge, die wohl die Figuren charakterisieren sollen, mangels Untertiteln dem Durchschnittseuropäer freilich wenig sagen. Wovor konkret der Penner mit den aufgerissenen Augen unsere Jungs warnt, wissen wir deshalb auch nicht, aber egal: Wir fahren mit alkoholischen Getränken in die Wildnis.

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Dimitri hat Kindheitsflashbacks (Skelette im Wald), die nicht nur den Dialogsatz „Sie sind alle von diesem japanischen Horror besessen!“ vorwegnehmen, sondern auch darauf hinweisen, dass Autor/Regisseur Anatoli Sergeyev – Filmverleiher und Journalist – sein Genre kennt. Schließlich stößt man auf einen Schamanenbaum, tritt ihn zu Gitarrenrythmen mit Füßen und hätte es besser nicht getan: Nicht nur bricht unter den Jungs Unfrieden aus, auch wandelt eine schwarzhaarige Frau (Miss Jakutien 2005 Sardana Koryakina) im Hintergrund und schließlich bricht ein Sturm aus, der sich gewaschen hat, und zerstreut unsere Protagonisten…

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Die nun folgende Sequenz sieht ausgesprochen fein aus; Locations, Farbe und Soundtrack werden vortrefflich genutzt, um Atmosphäre zu schaffen. Sergeyev findet hier einen Ton, der Freude macht, und es bedauern lässt, dass die Jungs wieder nach Hause finden, wo man Sergei Zamankovs schauspielerische Limits besser sieht und nicht mehr viel geschieht. Man hat das Gefühl, dass niemand mehr wirklich weiter wusste – für die DVD wurden die 83 ursprünglichen Minuten auf 60 heruntergeschnitten, Tonspur und Farbgebung überholt und die Traumszenen erweitert, und das ist alles gut so (vor der Langfassung wird gewarnt), aber leider nicht gut genug für einen ganzen Film.

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Sergeyev drehte daraufhin (2009) eine Fortsetzung, für die mehr Aufwand getrieben wurde, die aber die Probleme des ersten Teils verstärkt: Es gibt einige nette Ansätze, aber die J-Horror-Anleihen sind noch offensichtlicher und die Füllszenen noch fader: Sergeyevs visuelles Gespür verlässt ihn, sobald er Dialoge dreht. Seither hat er nichts mehr gemacht, und irgendwie ist das schade.

Die ersten 5 Minuten (nicht der Trailer):

Тропа смерти/Tropa Smerti, Anatoli Sergeyev  2006


Über den Autor

Andreas Poletz (1185 bis 1231), aus Chorazin gebürtig, beschrieb seine Seele als »einen schrecklichen Sturm, umhüllt von ewiger Nacht«, und behauptete, dass er aus Verzweiflung begann, seine Hände und Arme zu zerfleischen und mit den Zähnen bis auf die Knochen zu zernagen (incipit manus et bracchia dilacerare et cum dentibus corrodere useque ad ossa). Ist aber nicht wahr.

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