Die letzten Männer

Von  //  23. März 2013  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

Die letzten Männer
Bild: ORF

Der Film taucht in Ulrich Seidls Filmographie zunächst einmal nicht sehr exponiert auf, vermutlich, weil es sich um eine Fernsehproduktion handelt. Die Sendefassung für den ORF, die dieser Rezension zugrunde liegt, ist 45 Minuten lang. Es gibt auch einen einstündigen Directors Cut. Chronologisch liegt der Fernsehfilm zwischen den beiden Kinofilmen Mit Verlust ist zu rechnen und Tierische Liebe. Handwerklich ist er etwas rauer, doch stilistisch arbeitet er mit den gleichen Mitteln wie die Genannten. Der Trip in die Welt österreichisch-asiatischer Mischehen ist also ein typischer Seidl: Kurzweilig, so abtörnend wie anrührend und mit dem typischen Irritationspotential, zumal man bei Seidl Erfindung und Realität ja meist nur schwer auseinanderhalten kann.

Ob Karl Schwingenschlögl, Hauptschullehrer in Wien, Karate-Lehrer und „unschuldig geschieden“, wirklich auf der Suche nach einer Filipina zum Heiraten ist? Man ahnt, dass die Geschichte auch inszeniert sein könnte. Die Gespräche hingegen, die er mit österreichischen Männern führt, die mit Asiatinnen verheiratet sind – und von denen er sich wertvolle Tips erhofft – scheinen real. Die „letzten Männer“ erzählen dann auch recht freimütig von ihren „Problemen“ mit österreichischen Frauen und preisen die Qualitäten der Asiatinnen mit einer Mischung aus Verschwörerblick und unverhohlener Borniertheit an, als würden sie über nicht mehr ganz frisches Obst reden. Nein, ganz billig sei es nicht, denn schließlich müsse man eine Agentur für die Vermittlung bezahlen, aber die Asiatin an sich sei doch sehr sparsam, wodurch sich die Sache dann langfristig wieder rechne. Reinlich sei sie und treu und ihre eigene Meinung vertreten, das würde sie im allgemeinen nicht. Das Bild vom „hässlichen“ aber im Systemvergleich reichen Westeuropäer, der sich eine gefügige Frau durch Heirat kauft, wird bis auf die Knochen freigeschabt.

Die Rahmengeschichte des Karate-Lehrers auf Freiersfüßen verbindet die interviewhaften Gespräche aufs Trefflichste und Die letzten Männer gehört, trotz aller gebotenen Resentiments gegen das Gezeigte, zum Amüsantesten, was ich bisher von Seidl gesehen habe.

Österreich 1994, Regie: Ulrich Seidl


Über den Autor

Eckhard Heck besitzt eine der umfangreichsten Baustellen-Sammlungen Nordrhein-Westfalens. Unter anderem ist er Autor, Musiker, Maler, Fotograf und Glaubensberater.

Alle Artikel von

Schreibe einen Kommentar

comm comm comm