Mad Max

Von  //  13. Oktober 2012  //   //  Keine Kommentare

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Die nahe Zukunft. Endzeitstimmung. Die Gesellschaft ist im Arsch und auf den Straßen herrscht Krieg. Die Exekutive hat sich mehr oder weniger verselbstständigt und agiert von einem heruntergekommenen Hauptquartier aus. Der Fahrzeugpark allerdings, der kann sich sehen lassen. Die Gesetzeshüter sind ziemlich fanatisch, was ihre diversen fahrbaren Untersätze angeht und gleich von Beginn an geriert sich Mad Max als regelrechte Materialschlacht, denn auch die Gegenseite verfügt über mächtig aufgemotzte Boliden. Einer der Polizisten, Max Rockatansky, befindet sich derweil in einer schweren Sinnkrise. Er würde sich viel lieber in den Vorrruhestand begeben und sich seiner Frau und seinem kleinen Sohn widmen, als die durchgeknallten Outlaws zur Strecke zu bringen, die die Highways von Australien unsicher machen. Doch der irre Max wird gerade jetzt dringend gebraucht, denn der Konflikt zwischen der Staatsmacht und einer marodierenden Bande spitzt sich gefährlich zu. Max tritt sogleich in Aktion und voll ins Fettnäpfchen, weil er die Finger im Spiel hat, als der Leader of the Pack der besagten Bande frontal gegen einen Laster pflastert. Die rasenden Rocker blasen daraufhin zur Jagt auf alles, was eine Uniform trägt – aber im Prinzip ist nichts und niemand vor ihnen sicher.

George Millers Mad Max folgt einfachen und aus klassischen Western sattsam bekannten Mustern, ohne natürlich vordergründig ein Western zu sein. Die Geschichte des dienstmüden Cops, der letztlich nicht aus Staatsraison, sondern aus persönlichen Motiven zum Rächer wird, ist bekannt. Die Guten, die Bösen und die Hässlichen reiten hier aber nicht auf Pferden herum, sondern cruisen auf Feuerstühlen und in Muscle-Cars durch das Outback. Das ganze Setting wirkt auf den ersten Blick lächerlich, nimmt aber sehr schnell zunächst groteske und dann geradezu beängstigende Züge an, vor allem, weil sich Miller nicht in der sinnfreien Aneinanderreihung von Gewaltszenen ergeht, sondern einen extrem physischen Film geschaffen hat, der dennoch nahezu ohne explizite Darstellungen auskommt. Mit Ausnahmen lässt Miller den Betrachter immer wieder mit dessen Erwartungshaltung ins Leere laufen. Minutiös aufgebaute Spannungsbögen fallen ein ums andere Mal in sich zusammen und die wirklich bösartige Konklusion wird dann um so überraschender und schockierender bei anderer Gelegenheit aus der Hüfte geschossen. Das rückt Mad Max deutlich in Richtung Psycho-Thriller.

Technisch wirken vor allem die Kameraeinstellungen, die die wilde Raserei ausladend in Szene setzen, auch heute noch wegweisend. Miller und sein Kameramann David Eggby machen sich damit um die Erweiterung des visuellen Repertoirs für das ganze kommende Action-Genre der 1980er Jahre verdient. Darüber hinaus ist der Film auch noch ebenso schwules Kino (wenn man Cops und Leder mischt, kommt wohl zwangsläufig so was in der Art raus) wie auch aberwitzige aber ernst zu nehmende Freakshow und erlangt dadurch eine Relevanz, die so manchem Epigonen abgeht. Wo sich Mad Max auf seine geradlinige Story, seine Bilder und seine hervorragenden szenischen Einfälle verlässt, ist er nicht weniger als grandios. Bei dem ein oder anderen vermeintlich bedeutungsschwangeren Einzeiler von Mel Gibson (als Max Rockatansky), rollen sich einem aber schon mal für ein paar Sekunden die Zehennägel hoch. „Da verließen sie ihn“, wie man so schön sagt.

Australien 1979, Regie: George Miller


Über den Autor

Eckhard Heck besitzt eine der umfangreichsten Baustellen-Sammlungen Nordrhein-Westfalens. Unter anderem ist er Autor, Musiker, Maler, Fotograf und Glaubensberater.

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