Memories Within Miss Aggie

Von  //  2. Juni 2012  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

memories within miss aggie

Es ist Winter. Miss Aggie stapft durch den Schnee, führt anschließend Selbstgespräche in der warmen Stube über frühere Zeiten, als sie noch jung und knackig war und die Liebe eine schöne Zukunft versprach. Wir tauchen ein in Rückblenden, Aggie als Unschuld vom Lande, vom zarten Nachbarsjungen zum ersten Mal geküsst und anschließend in einer roten Uniform entjungfert, dann eine ältere Aggie, mit einer Babypuppe masturbierend, sich anschließend dem schnauzbärtigem Heulieferanten hingebend…aber sind das wirklich Rückblenden oder nur die Fantasien einer einsamen, „in die Jahre gekommenen“ Frau?

Es fällt dem heutigen Zuschauer schwer, sich diesen von Traurigkeit und Melancholie geprägten Film in einem Pornokino der 70er Jahre vorzustellen, selbstverständlich gibt es sexuell anregende Hardcore-Szenen mit hübschen und gut gebauten Damen, diese sind aber in einen derart deprimierenden Kontext eingebunden, daß man sich fragt, wie hier Dauererektionen möglich sein können. Dergleichen scheint aber Herrn Damiano recht häufig Wurst gewesen zu sein und hier kann man dann wohl auch eine Parallele ziehen zwischen den Golden Age-Pornofilmen und den zur etwa selben Zeit entstandenen softeren Pinku Eigas aus Japan: Hauptsache, in regelmäßigen Abständen Schauwerte präsentieren, der Rest ist dann egal, und manche Regisseure nutzten diese Strukturvorgabe in äußerst effizienter Weise, indem sie einerseits die kommerziellen Vorgaben mit ausreichend nackten Tatsachen erfüllten, dem Zuschauer aber gleichzeitig hinterrücks in die Eier traten. Ich hatte das große Glück, Memories within Miss Aggie in einer zwar schon recht beschädigten, aber durchaus noch ansehnlichen 16mm-Kopie im übersympathischen Kölner Filmclub 813 sehen zu können und war reichlich geflasht, vor allem, als das Ganze zum Ende hin noch eine unvorhersehbare drastische Wendung nahm. They don’t make ’em like this anymore.

USA 1974, Regie: Gerard Damiano


Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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