Fongaluli

Von  //  7. Mai 2012  //  Tagged: , ,  //  Keine Kommentare

Fongaluli

Besonders der Verkäufer der zauberischen Fongaluliblätter (Alvin Bojar) hat es mir angetan: ein helgeschneidernd-valentinesk wichtigtuender Pseudo-Scheich mit Betttuch überm Kopf, der eifersüchtig über seine halluzinogenen Blätter wacht wie eine Krähe über ihre Küken. Leider gibt es mit ihm keine Pornoszene.

Cemano ist sowieso gar nicht so auf Porno aus. Er dreht zwar nackte Sexszenen und vermeidet dabei keineswegs Schwänze, aber steif müssen sie für ihn nicht sein. Hauptsache, die verrückte und verzückte Stimmung stimmt. In beiden Filmen, die ich von ihm kenne („Madame Zenobia“ ist der andere) sind alle Leute tropisch crazy, voller Gras und bunter Pillen. Es ist alberne, psychedelische, liebevoll gestaltete, tänzerisch-cartooneske Selfmadecomedy von Hippies für Hippies, im Geiste Sergeant Peppers und Lovin` Spoonfuls. Vor einer wogenden, strahlenden Wunderwand dicker, malerischer, orgastisch gefühlsbetonter sinfonischer Musik entwickelt sich eine bunte, komische Opernhandlung über einen Hummer, der, sobald er Fongaluliblätter frisst, zu einem schönen, nackten Mädchen (Persephone Black) wird. Da der Effekt leider nicht anhält, bricht der sofort verliebte Besitzer des Hummers, der exzentrische, geniale Wissenschaftler Dr. Leviticus Wirtsus (Eduardo Cemano), zu einer Odyssee auf, um mehr von den Blättern zu bekommen. So kommt er zur Insel und in das Innere einer schönen, lüsternen Riesin (Susie Sunshine). „I want you to climb inside me and make shake, rattle and roll“, raunte sie ihm zu. Und das tut der kleine Wirtsus dann nach Leibeskräften. Boxt mit seinen Fäustchen gegen die Innenwände der blonden Riesenfrau, ja, das gefällt ihr. Dann geraten Wirtsus und sein Hummermädchen auch noch in die Fänge einer inzestuösen Freakfamilie, einer Voodoohexe und in diverse, nebulöse Blendwerke und Orgien.

Das ist köstlich/lecker harmlos, getragen von dramatischem, hymnischem Übermut und einer sonnigen Gemütslage. Die Fortsetzung kindlicher Lebensfreude mit Hilfe euphorisierender Drogen und viel glücklicher Verliebtheit. Recht so, recht so.

USA 1974, Regie: Eduardo Cemano


Über den Autor

Silvia Szymanski, geb. 1958 in Merkstein, war Sängerin/Songwriterin der Band "The Me-Janes" und veröffentlichte 1997 ihren Debutroman "Chemische Reinigung". Weitere Romane, Storys und Artikel folgten.

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