Draculas Tochter und Professor Satanas

Von  //  17. Februar 2012  //  Tagged: , ,  //  1 Kommentar

mujer_murcielago

Weibliche Wrestler im knappen Batwoman-Outfit wollte man dem deutschen Publikum wohl damals noch nicht ohne weiteres zumuten, und so wurde aus der Hauptfigur eine Vampirtochter, klingt ja auch wesentlich wahrscheinlicher. Im Ring ist die aber dicker als im Bikini, oder trägt sie nur dicke Hosen? In der Stadt liegen Leichen ohne Gehirne rum. Vorzeichen der Apokalypse in Acapulco? Nein, aber Calypso am Strand und ein Mad Scientist nimmt was aus unbescholtenen Fischern heraus und setzt es in unbescholtene Fische ein. Auf einem kleinen Fischerboot steht „Small Fishing“ drauf. Als unsere Heldin beim Spionieren auf dem bösen Boot ertappt wird, schüttet sie Dr. Williams Säure ins Gesicht. So was kann ins Auge gehen, das sehen wahnsinnige Wissenschaftler nicht so gerne. Fünf Finsterlinge kriegen aber von Frau Fledermaus fies auf die Fresse. Aber immerhin ist das Experiment mal geglückt: Aus dem Fisch mit Menschenhirn ist ein kleines Männlein geworden, das, auf dem Seeboden ausgesetzt, Sea Monkey-mäßig plötzlich auf Schrecken vom Amazonas-Größe (in Orange, allerdings) wächst. Sein Kopf erinnert allerdings mehr an Die Fliege oder Guila(la), Frankensteins Teufelsei. Sein Rückenpanzer verrutscht schon mal. Wahnsinniger Wissenschaftler will weiblichen Wrestler wiederholt weichklopfen. Der Fischmann braucht eine Braut, verdammt! Und ja, wenn ein Fischmensch einen zu killen droht und die Bikinischlampe entführen will, dann schüttet man halt Benzin in den Golf von Mexiko und zündet das an, hilft ja sonst alles nichts. Im Finale offenbart sich das Monster als edler Wilder, und killt den wahnsinnigen W., um den weiblichen W. zu retten.

Begleitet wird das ganze nicht vom Batman-Thema, sondern von einer Jazz-Version des „Baby Elephant Walk“ von Henry Mancini und dem Dies Irae aus dem Mittelalter. Laut imdb stammt das von Cardona dem Älteren, die Reißschwenks über irgendwas (Tapete?) als Verbindungsmittel von Szenen sehen aber eher nach der Handschrift des Jüngeren aus. Ich glaube, da blickt eh keiner richtig durch und es benötigt eine ausführliche wissenschaftliche Untersuchung. Leider lag mir das Ganze nur in Spanisch vor, macht auf Deutsch möglicherweise noch mehr Spaß, so man es denn zu Gesicht bekommt, denn die Fassung ist nie auf VHS oder DVD erschienen oder im Fernsehen gelaufen, existiert aber noch als 35mm-Kopie in den Händen von guten Menschen. Was schreiben die (weniger guten) Menschen Hahn und Jansen im „Lexikon des Horrorfilms“ zu diesem Werk? Sie fassen es mal wieder falsch zusammen, und zwar so falsch, daß man noch nicht mal die deutschen Dialoge dafür verantwortlich machen könnte, sondern nur ihre schlampige Recherche. Wo sind da bitte schön Muskelmänner? Dann schon fast lieber das Lexikon des internationalen Films, in dessen Besprechung der wahnsinnige Dr. Williams mit den Worten „als Fischsammler getarnter Gehirnspezialist“ beschrieben wird. Das schreibe ich auch auf meine nächste Bewerbung beim Arbeitsamt.

La Mujer Murciélago, Mexiko 1968, Regie: René Cardona

WARNUNG: Der folgende Clip ist nicht nur offensichtlich im falschen Bildformat, er enthält auch Spoiler.


Bei amazon kaufen: Das große Buch vom Fisch (Teubner Edition)


Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

Alle Artikel von

Ein Kommentar zu "Draculas Tochter und Professor Satanas"

  1. Alex Klotz 18. Januar 2015 um 01:20 · Antworten

    Wer die seltene deutsche Fassung des Films beim Monster machen mobil-Festival 2012 in Hamburg verpasst hat, hat am 30.1.2015 beim Mondo Bizarr-Weekender noch einmal die Gelegenheit.

Schreibe einen Kommentar

comm comm comm