Pina

Von  //  1. März 2011  //  Tagged: , , ,  //  1 Kommentar

pina

Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren ist der schönste Film, den ich seit Langem  gesehen habe. Auf der Leinwand, davor und dahinter, denn die 3D-Effekte sind so herausragend gut, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, man sei mittendrin. Im Ensemble, auf der Bühne, im lichten Schatten von Pina Bausch; von ihr, der großen Tänzerin und Choreografin herausgefordert und berührt. Die Tänzer des Wuppertaler Ensembles nehmen uns dabei an die Hand und führen uns in eine Welt voller Zärtlichkeit, Grauen, Humor, Schmerz und Liebe. Pina Bauschs Inszenierungen geben sich mit nichts Geringerem als dem Elementaren zufrieden. Von Angst, Verzweiflung, Zerbrechlichkeit und Verlust über Wut, Kampf, Stärke und Ekstase bis hin zu Ausgelassenheit, Vertrauen, Sanftheit und Glück, was da getanzt wird bringt uns an die Grenzen der Empfindungskraft.  Wim Wenders verquickt Ausschnitte aus Le Sacre du Printemps, Café Müller, Kontakthof und Vollmond auf so liebevolle Weise mit alten Filmdokumenten und den O-Tönen der Tänzer, dass ein organisches Ganzes entsteht. Jeder Tänzer schenkt uns einen sehr persönlichen Eindruck davon, was Pina Bausch in ihm bewegt hat. Die Ensemble-Mitglieder tanzen nicht nur auf der Bühne, sondern auch mitten in Wuppertal, in der Schwebebahn, im Park oder in der Zeche Zollverein, und tragen so ihren tiefen Respekt für Pina Bausch nach außen. Sie spielen nicht, sie sind, was sie tanzen. Die Bilder, die Wenders davon einfängt, sind so schön, dass es manchmal weh tut. Es wird klar, dass jeder einzelne Tänzer sich von seiner Pina im Wesen erkannt und angenommen fühlte. Und es wird auch deutlich, wie schmerzlich die Tänzer Pina Bausch vermissen. Wenders Pina ist die Hommage an eine Frau, um die man als Zuschauer trauert, obwohl man sie niemals getroffen hat.

Deutschland 2011, Regie: Wim Wenders

Diese Rezension wurde auf www.frausuk.de erstveröffentlicht.

Über den Autor

Bianca Sukrow, geb. in Aachen, ist Literaturwissenschaftlerin, Mitgründerin des Leerzeichen e.V., freie Lektorin und Journalistin. Im persönlichen Umgang ist sie launisch, besserwisserisch und pedantisch.

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Ein Kommentar zu "Pina"

  1. simonk. 17. Januar 2012 um 16:23 · Antworten

    d’accord

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