De komst van Joachim Stiller

Von  //  8. März 2011  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

STILLERCROP

Merkwürdige Dinge geschehen um den Journalisten und Schriftsteller Freek, er beobachtet Bauarbeiter, die das Kopfsteinpflaster einer Straße aufreißen, nur um es anschließend wiederherzustellen, die Straßenbahn hält an Orten, wo niemand ein- oder aussteigt, er bekommt einen Brief aus dem Jahr 1919, der diese Geschehnisse beschreibt und findet ein altes Buch eines Häretikers aus dem 16. Jahrhundert, in dem erstaunliche Voraussagen getroffen werden…

Ein ursprünglich dreiteiliger Fernsehfilm, der auch in einer gekürzten Version im Kino lief, auf DVD aber vollständig vorliegt. Auch in diesem Format zeigt sich das Kümelmonster als ein Meister darin, eine eigentümliche Atmosphäre zu erzeugen, wobei hier erneut hauptsächlich die Locations und die Bildkompositionen dazu beitragen, aber auch der großartige Score. (Dessen Wah-Wah-Gitarren in den „Action“-Szenen wollen allerdings nicht ganz passen, dabei bin ich sonst der Letzte, der sich über Wah-Wah-Gitarren beschwert.) Der Subplot mit groteskem comic relief um einem schmierigen, geldgierigen Galeristen kam mir allerdings wie ein Störfaktor in der ansonsten hervorragend funktionierenden elegischen Stimmung vor und hätte ruhig weggelassen werden können, aber immerhin gibt es hier ein Wiedersehen mit Charles Janssens aus Malpertuis. An diesen kommt der Film nicht wirklich ran, was aber hauptsächlich an den Einschränkungen des Formats liegt, die Spezialeffekte überzeugen kaum, auch wenn es meistens Rückprojektionen sind, die die erhabene Altstadt Antwerpens vor einem unwirklich scheinenden Himmel zeigen. Die Darsteller sind wiederum hervorragend und vor allem Cox Habbema ist sehr bezaubernd, auch wenn ihr Name so klingt wie die Antwort eines Obsthändlers.

Der Film benötigt am Anfang etwas, bis er in die Gänge kommt, hatte mich aber nach ca. einer halben Stunde voll gefangen. Auch wenn die Geschehnisse um Freek herum einen äußerst bedrohlichen Charakter haben, hat man es hier nicht mit einem Horrorfilm zu tun – der Film fühlt sich, wie auch die literarische Vorlage von Hubert Lampo, eher dem magischen Realismus verpflichtet und endet äußerst versöhnlich.

Wieder mal 2 ½ Stunden TV-Unterhaltung, die ich gesehen zu haben nicht bereue. Pieter Verlindens melancholisches Haupt-Thema, das im DVD-Menü im Loop läuft, habe ich erst nach einigen weiteren Minuten ausschalten wollen.

Belgien/Niederlande 1976, Regie: Harry Kümel

Ursprünglich erschienen auf filmforen.de

Über den Autor

Alex Klotz ist ein Zelluloid atmendes Wesen und betreibt den Blog hypnosemaschinen. Alex Klotz hat nie als Tellerwäscher, Aushilfsfahrer oder Kartenabreisser gearbeitet und gedenkt das auch in Zukunft nicht zu tun.

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