Superman – Der Film

Von  //  3. Februar 2011  //  Tagged: ,  //  Keine Kommentare

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Als „Superman – The Movie“ 1978 in die Kinos kam, war der Mann aus Stahl bereits seit vierzig Jahren fester Bestandteil der Popkultur. Nach Auftritten in Cartoons, Hörspielen, Serien und natürlich unzähligen Comics war das Interesse des breiteren Publikums aber bereits einige Zeit abgeflaut, andere Superhelden wie Batman, Spider-Man und andere Figuren drohten dem Stählernen den Rang abzulaufen. Der Kinofilm katapultierte seinen Helden erfolgreich wieder in die Herzen der Menschen, was angesichts der spektakulären Umsetzung kaum verwundert. Richard Donner, der mit „Das Omen“ einen Welterfolg gefeiert hatte, setzte seinen Film fraglos ambitioniert mit einer klaren Vision um. Weit weg von purem Pulp wie „Batman hält die Welt in Atem“ oder der erfolgreichen 50er-TV-Serie „Adventures of Superman“ behandelt er die Hauptfigur und deren Hintergründe nicht nur mit gebührendem Ernst, die Herangehensweise zeugt von geradezu ehrfurchtsvollem Respekt. In epischer Breite erzählt Donner eine mystizistische Saga, ohne dabei aber ein Quentchen Humor vermissen zu lassen, driftet also bei allem Mut zu Kitsch und Pathetik niemals in unfreiwillige Komik ab.

Schon der erste Handlungsabschnitt auf dem untergehenden Planeten Krypton begeistert mit liebevollem Produktionsdesign, wenngleich der Film aufgrund einiger atmosphärischer Umwälzungen den Zugang zunächst etwas erschwert. Herrscht auf Krypton noch ein steriler und kalter Grundton, so wechselt der Film mit Supermans Ankunft auf der Erde und den etwas raschen Impressionen seiner Jugend in eine optisch idealisierte Provinzlandschaft typisch amerikanischer Prägung – inklusive üppiger Felder, rustikaler Locations und strahlender Sonne. Nach diesen beiden völlig konträren Szenebildern wechselt der Handlungsort in die urbane Welt von Metropolis, ohne zwischenzeitlich die Entstehung der Festung der Einsamkeit zu vernachlässigen.

Der Film begreift seinen Protagonisten eindeutig als spiritistische Figur. Die biblische Allegorie ist von Beginn an offensichtlich, wenn Jor-El (ein gottgleiches Wesen) seinen einzigen Sohn herab auf die Erde schickt. Der vom Himmel Gesandte soll den Menschen ein leuchtendes Vorbild bieten und ihnen ihre Fähigkeiten zum Guten bewusst machen – die Parallele zu Jesus Christus ist nicht zu übersehen. Superman wird so zum Symbol für den Glauben, was den zynischen Skeptiker arg naiv erscheinen kann, dem Charakter des Helden aber ganz und gar gerecht wird. Die Magie um den Mann aus Stahl wird so greifbar und vor allem glaubwürdig in Szene gesetzt. Unterstrichen wird der religiöse Unterbau der Geschichte auch durch die Aufnahme Supermans von seinen Zieheltern – als sie das Kind entdecken fällt in Windeseile der Entschluss es zu behalten, wohl wissend, das es nicht von dieser Welt stammt. Die Betonung der frisch gebackenen Mutter, den Kinderwunsch endlich erfüllt zu bekommen, zeugt von erfolglosen Versuchen und kommt damit einer unbefleckten Empfängnis sehr nahe. Statt Jungfräulichkeit ist es hier offenbar Unfruchtbarkeit, die auf das Wunder hinweist, das hinter dieser schicksalhaften Fügung steht.

Die Wahl des Drehbuchautors mag auf den ersten Blick überraschen, ist Mario Puzo schließlich bekannt als Autor elegant geschriebener Mafia-Krimis, dabei besonders für seinen bekanntesten Roman – den Weltbestseller „Der Pate“. Puzo untersucht in seinen Büchern aber nicht ausschließlich ethische und moralische Fragen im Zusammenhang mit organisierten Verbrechen sondern ist vielmehr ein Chronist der Lebensverhältnisse italienischer Einwanderer und deren schwierige Situation in den USA. Das er dabei auf eigene Lebenserfahrung zurückgreifen konnte, verleiht seinen Werken die nötige Authentizität, sein starker Schreibstil (der literarischen Anspruch gekonnt paart mit massentauglicher Unterhaltung) ermöglicht gleichzeitig eine tiefe Einfühlung in seine komplexen Charaktere. Das Puzo die perfekte Wahl darstellt erschließt sich schnell wenn man die Geschichte Supermans ebenfalls als Geschichte eines Immigranten begreift, der sich trotz aller Widrigkeiten an eine fremde Umgebung anpassen muss und trotz aller Assimilation unter den Menschen immer ein Außenseiter bleibt, ein Fremder. Superman wird in dieser Hinsicht zur Verkörperung des amerikanischen Traums – nicht den vom Tellerwäscher sondern vom Traumland Amerika, welches für Menschen aus allen Teilen der Welt Hoffnung auf ein neues Leben bereithält. Auch dieser Aspekt findet in der durchaus patriotischen Comicvorlage ihren Ursprung, was die gewisse Blauäugigkeit schon beinahe forciert erscheinen lässt.

Zu großen Teilen trägt die traumhafte Besetzung zum Gelingen des Films bei: Angefangen bei Marlon Brando (dem zu dieser Zeit wohl angesehensten Schauspieler überhaupt), der nicht umsonst die übermenschliche Figur Jor-El spielt. Kaum ein anderer Darsteller verfügte über ein so einnehmendes Charisma um der Figur ohne eine komplexe Charakterisierung diese erhabene Aura zu verleihen. Brandos grenzenloses Ego hilft unübersehbar bei seiner Darbietung, die ohne jegliche Ironie auskommt. Der augenzwinkernde Humor kommt erst ins Spiel als Superman seine Scheinidentität Clark Kent angenommen hat und ist im mystisch überhöhten Prolog der Geschichte noch vollkommen abwesend. Brando beherrscht ohne große Mühe diesen ersten Abschnitt und erweist sich als Idealbesetzung. Wenn auch andere Darsteller die Rolle adäquat hätten verkörpern können, so füllt Brando sie alleine durch sein Erscheinungsbild und seinen ikonischen Ruf aus, nicht nur durch seine ohne Zweifel phänomenalen darstellerischen Fähigkeiten. Neben Hackman war er auch ein kommerzielles Zugpferd und sollte den seriösen Ruf des Films unterstreichen, was die schwindelerregende Gage von beinahe vier Millionen Dollar für knappe zwei Wochen Drehzeit erklärt.

Wesentlich lockerer tritt dagegen Gene Hackman, ebenfalls zur Zeit der Veröffentlichung schon längere Zeit ein großer Star und bereits Oscar-Preisträger. Erst Hackman gab der im Comic wesentlich eindimensionaleren Figur Lex Luthor jenen Schliff, der Luthor zum perfekten Antagonisten stilisiert. Sein Auftreten zeugt vom diebischen Spaß, den der Charakterdarsteller mit seiner größenwahnsinnigen Rolle hatte. Hackman legt Luthor selbstverliebt, rücksichtslos und machtversessen an, vergisst aber nicht, eine gehörige Portion Charme mit in die Waagschale zu werfen und bleibt so in einer überzogenen Art unverschämt sympathisch. Ohne dabei aber Superman in den Schatten zu stellen, was nicht zuletzt an seiner entscheidend kürzeren Screentime liegt. Auch sämtliche weiteren Nebendarsteller überzeugen, allen voran Margot Kidder, die nur selten leicht hölzern erscheint und Lois Lane überwiegend glaubwürdig verkörpert. Ihr Charakter ist deutlich gezeichnet von zerbrechlicher Sehnsucht nach Liebe und einem starken Mann, lässt dieses traditionelle Frauenbild aber auf ein modernes, fast feministisches treffen indem sie gleichzeitig eine starke Karrierefrau mit deutlichen Vorstellungen und Mut zum Einsatz ist. Deutlich wird diese Ambivalenz in einer frühen Szene, als sie gemeinsam mit Clark Kent überfallen wird und nur ungemerkt von diesem gerettet wird. Lois beweist Mut zum Angriff auf den Dieb, ist aber gleichzeitig enttäuscht von Clarks Hilflosigkeit. Ihr Begehren nach einem „richtigen“ Mann wird hier deutlich. Neben der reizenden Margot Kidder begeistern vor allem Ned Beatty als Luthors tollpatschiger Gehilfe Otis und Jackie Cooper als selbstbewusster, leicht arroganter Chefredakteur des Daily Planet – jener Zeitung, die Lois Lane und Clark Kent als Reporter beschäftigt.

Der Mann aus Stahl persönlich sollte nach Vorstellung der Produzenten kein bekanntes Gesicht sein um Assoziationen mit früheren Rollen zu vermeiden. Dieses Konzept – von Bryan Singer auch in „Superman Returns“ angewandt – sollte sich als absoluter Clou herausstellen. Unterstützt von brillanten Nebendarstellern sollte ein unverbrauchtes Gesicht in der Hauptrolle zu sehen sein. Für Christopher Reeve der Beginn einer steilen Karriere, die bekanntlich ein leider sehr tragisches Ende nahm. Reeve ist bis heute das ultimative Gesicht Supermans – beeindruckend für einen so jungen Darsteller meistert er die schwierige Rolle problemlos, kann seine Unerfahrenheit sogar auf die einfache, fast kindlich naive Weltsicht Supermans projizieren und somit gewinnbringend nutzen. Seine Vorstellung ist tadellos, sein Erscheinungsbild durchweg sauber und natürlich, ohne dabei unsympathisch glatt zu wirken. Während die meisten modernen Interpreten Superman als Muskelpaket in Szene setzen orientiert sich die Verfilmung eher an den frühen Comics und natürlich den legendären Fleischer-Cartoons der 40er Jahre – Reeve braucht keine überdimensionalen Muskeln um körperliche Fitness, absolute Gesundheit und somit ein männliches Idealbild zu schaffen.

Neben den brillanten Darstellern, den aufwendigen Effekten, dem ausladenden Drehbuch und der starken Inszenierung zeichnet den Film ein weiteres wichtiges Detail aus: Das perfekte Scoring von Altmeister John Williams, der schon für Spielberg und Lucas unvergessliche Kompositionen gezaubert hatte und bis heute zu den besten Filmmusik-Komponisten überhaupt zu zählen ist. Alleine sein wunderbares Titelthema verleiht der Geschichte jenen akustischen Bombast, der den Score auf eine Stufe stellt mit Williams‘ revolutionären Arbeiten zu „Jaws“, „Star Wars“ oder den Indiana Jones-Filmen. Unvergesslich einprägsam tönt es aus den Boxen, Filmmusik wie aus einem Traum. All der Heroismus der Hauptfigur und all die Dramatik der Geschichte bündelt Williams in einem imposanten Score, der trotz Danny Elfman (dessen Arbeiten zu Tim Burtons Batman-Filmen und Raimis ersten beiden Spider-Man Teilen ebenso beeindrucken) unübertroffen bleibt im Genre.

Wenn auch die Tricks angestaubt erscheinen und teilweise leicht durchschaubar sind sollte man ihren Effekt nicht unter den Teppich kehren. Das detaillierte Produktionsdesign, die wunderbar gefilmten Locations herrlichen Flugszenen machen optisch viel her, verkommen aber zu keiner Zeit zum Selbstzweck. Die technischen Spielereien sind erstklassig in die Handlung integriert und bremsen weder die dramatischen Konflikte noch die Spannungselemente aus. Gleiches gilt für die leicht süßliche Liebesgeschichte, die jedoch in ihrer unschuldigen Art ironisiert wird durch das Verhalten Supermans: Als Clark Kent begehrt er Lois, ohne von ihr beachtet zu werden und verbaut sich seine Chancen weiterhin, indem er sich selbst als strahlender Ritter Superman und mitsamt unvergleichlichem Charme einen unüberwindbaren Konkurrenten in den Weg stellt. Superman bedient schließlich auch alle weiblichen Phantasien eines Super-Mannes, was sehr witzig im Subtext des Interviews zwischen Lois Lane und dem Helden herausgearbeitet wird und sich auch in der allgemeinen Bewunderung der Frauen für den Mann aus Stahl ausdrückt.

Als einziger echter Wermutstropfen kann das leicht überhastete Ende gelten, das erstens mit einem haarsträubenden Detail aufwartet (Superman reist durch multiples Umfliegen des Erdballs in der Zeit zurück um den Tod von Lois Lane rückgängig zu machen), welches zudem noch gegen die Vorschriften Jor-Els (die besagen, das in das Schicksal der Menschen nicht eingegriffen werden darf) verstoßen. Das Konfliktpotential, das dieser Regelbruch birgt, bleibt ungenutzt und trübt das positive Finale keineswegs. Diese Inkonsequenz ist verzeihlich, kann aber auch berechtigt kritisiert werden.

Versteht man das Label „Comicverfilmung“ als eigenständiges Genre, so muss „Superman – The Movie“ zweifellos als erster Klassiker gelten. Die Maßstäbe, die Richard Donner hier gesetzt hat, sind bis heute an beinahe jedem Superheldenfilm ersichtlich. Mit Sicherheit wurden hier die Weichen gestellt für aufwendige und ernst zu nehmende Adaptionen, außerdem bleibt der Film als einer der ersten richtigen Blockbuster in Erinnerung, der – neben „Star Wars“ – diesen (wesentlich älteren) Begriff nachhaltig und endgültig definiert hat.

Im Jahr 2000 wurde ein Director’s Cut erstellt – anders als beim zweiten Teil der Superman-Saga verändern die erweiterten Szenen allerdings keineswegs den Grundton des Films. Bis auf die stellenweise abweichende Musik, die erhebliche atmosphärische Einbußen kostet, kann sich diese Version durchaus sehen lassen, wartet mit einigen netten Details auf und lässt den gesamten Film noch etwas komplexer und runder erscheinen. Auch die deutsche Neusynchronisation, die im Zuge dieser neuen Version erstellt wurde, kann als gelungen bezeichnet werden.

Superman / USA,GB 1978 / Regie: Richard Donner

Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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