DVD: Jackass 3D

Von  //  28. Februar 2011  //  Tagged:  //  Keine Kommentare

jackass3d

Tabubrüche, die ein John Waters in den Siebzigern noch im Underground-Kino begehen musste, haben sie auf den Fernsehschirm gebracht und damit in den Alltag eines Millionenpublikums integriert. Man kann Johnny Knoxville und seinen infantilen Kumpanen nicht dankbar genug dafür sein, das ihre schräge, den Auswüchsen der Skater-Szene entstammende Aktionskunst aus kruden Körperversuchen und waghalsiger Stuntarbeit ihren Weg auf MTV gefunden hat. Im Kino war der erste Teil eine Enttäuschung, langweilte er doch als verlängerte TV-Episode – was auch der zweite Film nicht ganz abstreifen konnte, legte dieser aber im Gegenzug enorm an content zu und bot ein köstliches Sammelsurium aus Bösartigkeiten ohne belangloses Füllmaterial. Nun sind die Jungs zurück um ihren Wahnsinn in 3D zu zelebrieren. Ein wirklich wilder Ritt, in dem der Ekel vielleicht noch mehr Platz findet als bisher und mit wirklich phänomenalen Stuntmanövern perfekt harmonieren. Die Attacken auf Passanten mit versteckter Kamera treten dagegen in den Hintergrund, jedes Detail tut hier wirklich weh. Wer bislang aber über „Jackass“ die Nase gerümpft hat wird auch kaum glücklich mit diesem Nachfolger, der das bewährte Rezept verwendet und sich darum auch nicht verlegen sein muss. Die Akribie einzelner Aktionen bezeugt allerdings den hohen Anspruch der Macher an sich selbst und den Glauben an die Irrwitzigkeit, mit der die teilweise lebensgefährlichen Aktionen durchgeführt – nein: zelebriert – werden. Wirklich gefährliche Parts fallen vor allem Johnny Knoxville zu, der sich abermals mit Büffeln und anderem physisch überlegenen Getier anlegt, Steve-O dagegen übernimmt die Parts, in denen am heftigsten Körperflüssigkeiten fließen, genehmigt sich unter anderem einen ungeheuer wiederlichen Sweat Cocktail (frisch gepresst aus Preston Lacy) und bietet mit der waghalsigen Zweckentfremdung einer randvollen Dixie Toilette einen einsamen Höhepunkt. Die Messlatte für eine potentielle Steigerung liegt aber nun extrem hoch.

Ganz nebenbei ist JACKASS 3D wohl auch der schwulste Film seines Jahres – denn näher können sich Jungs nicht kommen, ohne sich gegenseitig den Schwanz zu lutschen.

Regie: Jeff Tremaine / USA 2010 / 94 Min.

zuerst erschienen als DVD-Review in der Deadline

Über den Autor

Aufgewachsen inmitten der pulsierenden Film-Metropole Merkstein/Rheinland mit ihren schillernden Kino-Palästen, umgeben von hochkarätigen Stars, Regisseuren und Filmkritikern blieb Marco Siedelmann nicht viel anderes übrig, als selbst Filmjournalist zu werden. Er schreibt u. a. für critic.de, deadline und negativ.

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